TECHNIK

Vielseitigkeit

Kranbares Arbeits- und Traggerüst für die Sanierung der Kirchturmspitze der Hauptkirche Rheydt in Mönchengladbach

Im Zuge der notwendigen Sanierungs- bzw. Instandsetzungsarbeiten der Hauptkirche in Rheydt wurde festgestellt, dass die Kirchturmspitze („Helmnadel“) umfangreich saniert werden muss. Da sich die Kirchturmspitze über einen Höhenbereich von 52,33 bis zu 73,05 m erstreckt, wurde von den Projektverantwortlichen entschieden, die gesamte Kirchturmspitze abzuheben und im bodennahen Bereich zu sanieren. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde bauseitig unter anderem durch die Ingenieurgesellschaft Manfred Breuer GmbH & Co. KG aus Simmerath ein Konzept entwickelt, um die Kirchturmspitze abzuheben (siehe Abb. 1-3, v.l.n.r.).

In Abbildung 1 sieht man einen Mobilkran, der in der Lage ist die ca. 6,55 to schwere Kirchturmspitze bei einer Hubhöhe von ca. 78,0 m abheben zu können. Des Weiteren ist ein umlaufendes Arbeitsgerüst zu erkennen, mit dem dieser Bericht sich nachfolgend tiefer beschäftigt.

Abbildung 2 zeigt einen bauseitigen Halterahmen in Stahlbauweise, der es ermöglicht, ohne Verlust der Raumstruktur einen horizontalen Trennschnitt zu erbringen, um die Kirchturmspitze überhaupt abheben zu können (Abb. 3).

Wie bereits erwähnt musste zu den bauseitigen Sonderteilen eine multifunktionale Gerüstkonstruktion erstellt werden, die folgende Aufgaben bzw. Funktionen nacheinander bzw. gleichzeitig erfüllen musste:
1) Arbeitsgerüst als Arbeitsraum und Höhenzugang bei ca. 70 m Höhe
2) Traggerüst zur horizontalen Stabilisierung der Kirchturmspitze während des Abhebevorganges durch Autokrane
3) Schutzgerüst für den umlaufenden Personenverkehr durch umlaufende Netzeinhausung als Schutz vor eventuell herabfallenden Kleinteilen während der Durchführung der notwendigen Sanierungsarbeiten am Boden
4) Wetterschutzeinhausung und Traggerüst zur Durchführung der Sanierungsarbeiten im bodennahen Bereich und zur horizontalen Lagesicherung der Kirchturmspitze.

Die Kirchturmspitze wurde durch einen bauseitigen Stahlrahmen zur Aufnahme der Vertikallasten beim Abheben durch einen Autokran vertikal gehalten bzw. gestützt und durch die in das Gesamtkonzept integrierte Gerüstkon-
struktion horizontal stabilisiert. Zusätzlich wurde durch diese Kombinationen ein geeigneter Arbeitsraum in ca. 69,0 m Höhe um die Kirchturmspitze herum zum Trennen der Kirchturmspitze geschaffen, der gleichzeitig durch die umlaufende SR-Verbindung zwischen Gerüst und Kirchturmspitze die Kirchturmspitze horizontal stabilisiert hat (Abb. 4).

Da der Halterahmen der Kirchturmspitze zur Aufnahme der Vertikallasten der Kirchturmspitze von ca. 6,55 to unter der Kirchturmspitze montiert werden musste, bestand die Gefahr, dass z. B. indiziert durch Wind oder einer Lastumlagerung die Kirchturmspitze seitlich wegkippen könnte (Abb. 5).

Durch das umlaufende Gerüst, das am Kopf gehalten bzw. gehoben wurde und der umlaufenden zug- und druckfesten SR-Anbindung an der Kirchturmspitze wurden nun beide Bauteile miteinander bzw. gegeneinander stabilisiert.

Da der Kran nun am Kopf der Gesamtkonstruktion angeschlossen war, wurden alle Bauteile auf Zug belastet und haben sich so infolge des Eigengewichts seitlich stabilisiert, was ein kontrolliertes Abheben möglich gemacht hat (Abb. 7).

Dass der Abhebevorgang nur bei geeigneten Witterungsbedingungen und mit größter Vorsicht bei abgesperrtem Arbeitsraum durchgeführt werden konnte, versteht sich dabei von selbst. Um nun die eigentlichen Sanierungsarbeiten durchführen zu können, wurde an einer geeigneten Stelle des Bestandsbauwerkes eine „Parkposition“ aus Betonfertigteilen geschaffen, um sowohl die Kirchturmspitze als auch das Gerüst im bodennahen Bereich aufzustellen und in der Lage vertikal als auch horizontal zu sichern (Abb. 8 und Abb. 9).

Nachdem nun die Bauteile abgesetzt und sowohl horizontal als auch vertikal gesichert wurden, konnten die Krane abgekoppelt werden. Jetzt wurde aus einem kranbarem Hängegerüst ein klassisches Standgerüst nach DIN EN 12811 gleichzeitig die Kirchturmspitze als Traggerüst nach DIN EN 12812 horizontal stabilsiert hat.
Dass dabei mit kleineren planmäßigen Umbauarbeiten ein Höhenzugang und Arbeitsraum unter Einhaltung aller Forderungen der TRBS 2121 entstand, zeigt die Vielseitigkeit von Gerüstkonstruktionen, die als Kombinationsgerüste verschiedenste Aufgaben bzw. Funktionen gleichzeitig oder nacheinander erfüllen können (Abb. 10).

Es wird auch deutlich, wie wichtig es für das Projekt bzw. den/die Projektplaner*in sein kann, bereits bei der Vorplanung den/die Gerüstaufsteller*in als Fachplaner*in und den/die Prüfingenieur*in in die Gesamtplanung mit einzubeziehen, um das Ineinandergreifen der einzelnen Gewerke sinnvoll im Rahmen der Arbeitsvorbereitung an den entsprechenden Schnittstellen zu kombinieren bzw. zu koordinieren.
An dieser Stelle besten Dank an DAS HÖHENWERK, Paderborn, der als innovativer Gerüstaufsteller mit seinen Fachleuten zeigt, was heute im Gerüstbau möglich ist.

Bildquellen:
Abb.: 1, 2, 3 und 5: Manfred Breuer Ingenieurgesellschaft GmbH & Co. KG, Simmerath
Abb.: 4, 7, 9, 10 und Titelbild: DAS HÖHENWERK, Paderborn


Dieser Artikel ist erschienen im:

Der Gerüstbauer

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  • Preis
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